Reise 1: Destination terra incognita

 

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Auf Reisen begibt man sich in fremde Räume und schaut, wie weit man gehen kann. Fremdes wird erkundet, kommt nah, wird vielleicht Heimat. Doch manchmal ist der eigene Körper fremder als jedes fremde Land. Man wird Ausländer in sich selbst, der Körper terra incognita. Man findet keinen Boden und schläft schlecht wie in fremden Hotelbetten. Dann wird es höchste Zeit, sich selbst zu bereisen – in der Hoffnung, anders in sich heimisch zu werden und sich anders einzubetten. Mit einer Pfauenfeder auf dem Rücken, die mir ein Traum gegeben hatte und einem Kiefernzapfen als Anker tauchte ich in mein Innenleben ein und kehrte der Welt den Rücken zu. Anhand von Träumen entstanden erste Ansichten der unbekannten  Insel.

 

 

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Mein erster Traum war ein Alptraum, und er ereignete sich am helllichten Tag. Auf einmal stand der sprichwörtliche Drachen vor mir. Nach diversen Abenteuern rettete mich Ritter Georg aus Stein am Rhein und machte den Drachen zu einer Schnecke, die ich leichthin von meiner Achsel wischte, wie Schuppen.

 

 

 

 

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Auch der zweite Traum war kein kommuner Traum. Er geschah in den Strassen von Paris. Es ergab sich, dass ich mich draussen vor einer schäbigen Bar in der Rue du Faubourg St. Denis in Paris hinsetzte, weil die Abendsonne auf ihre Stühle schien. Zwei Skulpturen auf der gegenüberliegenden Strassenseite erregten mein Interesse, an denen ich eben achtlos vorbeigegangen war. Ein Mann und eine Frau standen nebeneinander auf einer Wiese.  Sie trugen Sonne und Mond in den Händen als würden sie den andern mittragen. Darauf kaufte ich mir die Buchstaben S und M, Sonne und Mond, mit denen ich seither etwas jongliere, um gelassen gehen zu lernen.

 

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Auf terra incognita hängen sich Frauen Fischköder an den Rücken. Nicht um Fische zu fangen. Vielmehr als Möglichkeit, jederzeit auf Grund zu gehen. Denn kurz vor dem Einschlafen huschte einmal der Begriff “Bodenschocker” an mir vorbei. Darunter stellte ich mir graue Wesen vor, die vor sich fliehen, statt sich zu ergründen.

 

 

 

 

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Ich hatte schon auch normale Träume. Wie denjenigen, wo ich auf dem Gepäckträger sitzend mit dem Velo wie blöd durch die Gegend fuhr und dabei die Kontrolle über mein Fahrzeug etwas verlor. Nur ein bisschen. So dass das Ganze nur etwas wild war.

 

 

 

 

 

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Und manchmal schwamm ich im Wasser. Vielleicht schwebte ich auch über dem Ganzen. Wenn ich dann aufwachte, war ich wie neu geboren. Mit einem verletzlichen Rücken, auf den ich nur langsam Dinge ansiedeln lassen wollte. Doch davon später mehr.