Archiv der Kategorie: Reise 3: danser la vie oder body building in Indien

11 Tanzgeschichten

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Die Ausdruckstänzerin Isadora Duncan (1878-1927) hatte als Motto für ihr Leben „danser ma vie“ gewählt. Ein schönes Motto. Wer möchte nicht zumindest ab und zu tanzen. Mein Motto sind derzeit Reisen. Da bewegt man sich auch. Die erste Reise ging in meinen Körper, die zweite über meine Haut, die dritte nun ist eine Tanzreise. Ich möchte herausfinden, was Duncans Motto für mich heissen könnte.

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1 Tiruvanamalai – Ruccus Fussabdruck

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Ich landete in Chennai (Madras). Der nächstgelegene Ort, der mit Shiva verbunden war und sich zum Ankommen eignete, weil er ruhige Unterkünfte bot, war Tiruvanamalai. Der Ort liegt am Fuss des Arunachala-Berges, eines erloschenen Vulkans. Auf diesem Berg war Shiva einst als endlose Feuersäule erschienen. Dementsprechend verkörpert Shivas Lingam im Tempel von Tiruvanamalai das Element Feuer.

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2 Kanchipuram – bei den Einbeinern

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Vielleicht scheint es dem Leser etwas abrupt, wenn ich ohne grosse Überleitung zum zweiten Tempel wechsle. Aber es geht mir nicht darum, einen Reisebericht durch Tamil Nadu mit entsprechenden Hintergrundinformationen zu verfassen. Vielmehr folgt meine Reise einem Baukastenprinzip. Ich nehme Tempel als Bausteine für mein eigenes Tanzgerüst.

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3 Chidambaran – von Tempel-Wallahs und Poeten

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Ich muss mich zurückhalten, nicht doch etwas Reisebericht zu schreiben, denn Pondicherrys Strandpromenade allein ist ein Besuch wert. Ganz zu schweigen vom „Le Café“, der kleinen kolonialen Strandbar, die rund um die Uhr geöffnet ist und wo ich morgens meinen ersten Café trinke, mit Blick aufs Meer respektive auf einen Zaun, wo immer Raben darauf warten, etwas von den Tischen zu stehlen. Noch mehr zu schweigen vom schmalen Sandstreifen zwischen Promenade und ins Meer abfallenden Felsen, wo abends auf allerlei fahrbaren Essständen Streetfood verkauft wird, was der Promenade Jahrmarktsatmosphäre gibt. Weiterlesen

4 Trichi – Ayurveda für das/den Lingam

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Die Fahrt von Pondicherry nach Trichi war reine Tortur. Aus dem Lautsprecher schrie ununterbrochen die unnatürlich hohe Stimme einer Sängerin. Der Fahrer missbrauchte seine zweifellos neue Hupe dazu, seine Existenz zu beweisen. Jedes Hupen war ein gemeiner Messerstich, die Sängerin ein kontinuierlicher Elektroschock. Dieser Lärm ist Körperverletzung pur und Alltag in Indien, einem Land, wo körperlich wie emotional durchgeschüttelt zu werden eine Selbstverständlichkeit ist. Weiterlesen

5 Madurai – Shivas Trommel

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Gähn – Mein Interesse an Tempeln lässt nach. Die Anlagen sind architektonisch ähnlich, ich hab begriffen, was in ihnen abläuft. So versprach ich mir vom Minakshi-Tempel in Madurai wenig Neues, auch wenn Minakshi drei Brüste hatte. Zwar waren einige Heiratszeremonien im Gange und es gab eine Wand, wo man sich Götternamen für seine Kinder aussuchen konnte. Doch wollte ich keine Kinder. Hinzu kommt, dass ich gedacht hatte, dass Shiva tatsächlich verschiedene Tänze tanzt. Aber es sind genau zwei, die einfach unterschiedlich vermarktet werden. Weiterlesen

6 Tirunelveli – göttlicher Schweiss

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In Tirunelveli tanzt Shiva den Tanz der Schöpfung, aber die Darstellung ist dieselbe wie in Chidambaran. Anscheinend beansprucht einfach jeder Tempel einen Aspekt des tanzenden Shivas für sich. Ausser mir sah ich keine westlichen Touristen in Tiruneveli. Wenn einem Menschen an den Verkaufsständen fragen, woher man komme, dann wirkt es echt und ist eine Begrüssung der Fremden. Als ich Wasser kaufte, kam ich mit einem älteren Mann ins Gespräch, der sich entschuldigte, dass man mich warten liess, weil die Herren am Schwatzen waren. Er schätzte mich ohne Zögern auf 44 Jahre und begann ungefragt zu erzählen. Weiterlesen

7 Kutrallam – weltliches Darshan

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Kutrallams Shivatempel liegt am Fuss der Western Ghats etwas unterhalb eines Wasserfalls. Das Ambiente ist ländlich, die Dekoration des Tempels wie für ein Erntedankfest. Palmwedel und Bananenstauden schmücken etliche Säulen. Dazwischen hängen an gespannten Seilen Grasbüschel, Blätter und Kokosnüsse. Vielleicht liegt es am Wasserfall, dass diesen relativ kleinen Tempel ein frischer Wind durchweht. Nirgends ist es stickig, auch nicht im Innersten, wo sich niemand an mir stört. Der oft penetrante Geruch von Ghee fehlt und Räucherstäbchenduft durchzieht in angenehmer Dosierung die Halle. Weiterlesen

8 Sri Kalahasti – das drum herum im Schlachthof

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Idealerweise wäre man ausgeruht und schmerzlos bei allem, was man tut. Unbeschwert ist man offen und trotzdem nicht leicht verwundbar. Doch ist das Leben so und so und Reisen bereitet mir schnell Kopfweh. Dann wird die Welt eng und ich überlegte schon auf der Fahrt nach Sri Kalahasti, ob ich den Besuch nicht besser verschieben würde. Aber mir war danach, die zwei verbleibenden Tempel hinter mich zu bringen, weil mich das drumherum zunehmend mehr interessiert, als der Tempel selbst. Dazu gehörte, wie ich als Ausländerin empfangen wurde, wie laut der Schrei nach Rupien war und wie arg das Gedränge. Ansonsten zog ich sogenannt gewöhnliche Orte wie der Park in Bangalore Tempeln vor. Weiterlesen

9 Tiruvalangadu – eine Form von Erlösung

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Nach den Pilgerströmen und der Geschäftigkeit von Sri Kalahasti war das Dorf Tiruvalangadu eine Oase. Keine Souvenirstände säumten den Weg zum Tempel. Keine Ahnung, weshalb der Shivatempel hier, wo Shiva den Tanz der Erlösung tanzt, wo der berühmte Tanzwettstreit zwischen Shiva und Kali stattgefunden hatte und die früheste Dichterheilige, Karaikal Ammayar, für immer zu seinen Füssen sitzen darf, im Pilgerbusiness keine Rolle spielt. Weiterlesen

10 Kanchipuram (2) – Kali mit der Hängebrust

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Einen Tempel zu besuchen ist nichts grundsätzlich anderes, als eine Ausstellung zu besuchen, was nicht anders ist, als morgens an einem unbekannten Ort aufzuwachen und noch im Bett liegend die Fühler auszustrecken, um abzutasten, was einen umgibt. In der kurzen Zeitspanne, bevor es hell wird, ist meine Welt hier in Kanchipuram ein einziges Zwitschern aus Hunderten von Kehlen. Denn um das Hotel herum stehen ein paar riesige Banyanbäume, in denen Hunderte von Vögeln schlafen und nun singen. Weiterlesen

11 Mahaballipuram – was lebendig macht

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Ich sah, wie sich zwei Ziegen aus Fleisch und Blut auf dem 25 Meter langen und 12 Meter hohen Felsrelief von Mahaballipuram zu den in Stein gemeisselten Tieren, Mischwesen, Göttern und fliegenden Musikanten gesellten. Das Relief aus dem 7. Jahrhundert wird grosso modo als Herabkunft des Flusses Ganga auf die Erde gedeutet. Während all die in Stein gehauenen Wesen um die Ziegen herum sich zur Mitte des Reliefs hinwandten, wo sich die Szene mit dem zur Erde strömenden Fluss abspielte, hatte sich die Mutterziege gegen die allgemeine Richtung gestellt und sich ihrem Jungen zugewandt. Weiterlesen

Danser ma vie

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Was heisst am Ende dieser Reise danser ma vie für mich? Danser ma vie sind alle Bewegungen, die man bewusst wahrnimmt und auf die ich mit Gesten reagiere. Dabei reagiert man mit den Augen ebenso wie mit sich verändernden Haltungen gegenüber Dingen und Menschen, bis hin zu abwehrenden Gesten gegenüber räudigen Hunden oder der Flucht vor indischer Reizüberflutung. Mal sind die Gesten weltzugewandter, mal weltabgewandter. Weiterlesen